1. Ein- und Ausbau
sowie die Anordnung von Gelenkwellen



1.1 Einbaugrundsatz

Wird ein einfaches Kardan-, Kreuz- oder Kugelgelenk in gebeugtem Zustand gleichförmig gedreht, so ergibt sich an der Abtriebsseite ein ungleichförmiger Bewegungsablauf (Siehe Abschnitt 2, Bewegungsverhältnisse und Drehmomente).


Diese Ungleichförmigkeit wird ausgeglichen, wenn zwei einfache Gelenke zu einer Gelenkwelle verbunden werden. Für einen absoluten Bewegungsausgleich bestehen dabei folgende Voraussetzungen:
a) Gleiche Beugungswinkel an beidenGelenken (ß1 = ß2)
b) Die beiden inneren Gelenkgabeln müssen in einer Ebene liegen
c) An- und Abtriebswelle müssen ebenfalls in einer Ebene liegen


Ausnahme: Bei einer räumlich abgewinkelten Gelenkwelle liegen An- und Abtriebswelle nicht in einer Ebene. Zur Erzielung einer gleichförmigen Abtriebsbewegung ist es in diesem Fall erforderlich, die inneren Gelenkgabeln so gegeneinander zu verdrehen, dass sie jeweils in der von ihrem Gelenk gebildeten Beugungsebene liegen. Außerdem müssen die räumlichen Beugungswinkel gleich groß sein. (Bei der Festlegung des Versatzwinkels ist Ihnen unser techn. Beratungsdienst gerne behilflich).


Anmerkung: Durch falsch zusammengesteckte Gelenkwellen wird die Ungleichförmigkeit am Abtrieb nicht ausgeglichen, sondern verstärkt. Dadurch können Gelenklager und Keilprofile zerstört werden. Aus diesem Grund ist beim Zusammenstecken der Gelenkwellenhälften darauf zu achten, dass sich die an Keilwelle und Keilnabe angebrachten Markierungspunkte gegenüberliegen.


1.2 Demontage

Gelenkkreuz-Zapfen und Nadellager-Büchsen unterliegen einem gemeinsamen Verschleiß. Bei Abnutzungserscheinungen müssen deshalb Gelenkkreuz und Nadellager zusammen ausgetauscht werden.

Austausch von Gelenkkreuz-Sätzen an Kardangelenken.

1. Spannungen zwischen Sicherungsringen und Lagerbüchsen werden beseitigt (Abb 1).
2. Sicherungsringe werden entfernt (nach DIN 472).
3. An jeder Gelenkgabel wird je eine Lagerbüchse herausgedrückt (Abb. 2).
4. Hervorstehende Lagerbüchsen werden gefasst und abgezogen (Abb 3). Zum Klopfen Alu- oder Kunststoffhammer verwenden.
5. Die gegenüberliegenden Büchsen werden herausgedrückt und ebenfalls abgezogen.
6. Gelenkkreuz wird herausgenommen (Abb. 4).







1.3 Montage

Gelenkkreuz-Zapfen und Nadellager-Büchsen unterliegen einem gemeinsamen Verschleiß. Bei Abnutzungserscheinungen müssen deshalb Gelenkkreuz und Nadellager zusammen ausgetauscht werden.

Montage von Gelenkkreuz-Sätzen an Kardangelenken.

1. Gelenkkreuz wird eingeführt (Abb. 4)
2. Lagerbüchse wird auf einer Seite eingepresst und mit Sicherungsring gesichert (Abb. 5).
3. Gegenüberliegende Lagerbüchse wird ein-gepresst und gesichert (Abb 6).
4. Gelenkkreuz wird in die zweite Gabel eingeführt. Danach werden die Lagerbüchsen auch hier eingepresst und gesichert.
5. Spannungen innerhalb des Kardangelenks können durch leichten Hammerschlag auf die Gelenkgabeln beseitigt werden. Das Gelenk läuft dadurch leichtgängiger.

Hinweis für den Austausch von Gelenkkreuz-Sätzen an Doppelgelenken für Lenkachsen:
Hier sind die Lagerbüchsen des Mittelstücks mit Abziehgewinden versehen. Deshalb können diese Büchsen nach Abnahme der Verschluss-Schrauben mit einer Abziehvorrichtung entfernt werden. Der übrige Aus- und Einbau erfolgt entsprechend den obigen Angaben.

Achtung:
Vor dem Einpressen der Lagerbüchsen ist darauf zu achten, dass die Lagernadeln alle am Büchsen-Innendurchmesser anliegen.
Nach dem Auswechseln von Verschleißteilen ist bei schnellaufenden Gelenkwellen ein anschließendes Nachwuchten gemäß Gütestufe G 16 der DIN ISO 1940 erforderlich. Treten nur geringe Drehzahlen auf, kann auf das Nachwuchten verzichtet werden. Die Drehzahlgrenze liegt dabei je nach Größe und Ausführung zwischen 500 und 800 Upm.
Ist bei schnellaufenden Wellen aus besonderen Gründen ein Nachwuchten nicht möglich, so sind die einzelnen Gabelteile vor der Demontage in ihrer Lage zueinander zu kennzeichnen. Die Montage hat dann in der gleichen Lage zu erfolgen. Dadurch wird die Unwucht auf ein Minimum begrenzt.



1.4 Anordnungsformen

Z-Anordnung:

An- und Abtriebswelle liegen parallel in einer Ebene.

W-Anordnung:

An- und Abtriebswelle schneiden sich in einer Ebene.








Räumliche Anordnung:
(kombinierte Z- u. W-Anordnung) An- und Abtriebs-welle kreuzen sich räumlich versetzt. Keine gemeinsame Ebene vorhanden, deshalb Versatz der inneren Gelenk-gabeln um Winkel g erforder-lich (siehe 1.1 „Ausnahme“).

Der resultierende räumliche Beugungswinkel ßR, der sich aus der vertikalen und horizon-talen Ablenkung ergibt, wird errechnet zu:

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Anwendungen

Ein-/Ausbau von Gelenkwellen